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Der Künstler Walter Bernhardt vor seinen Bildern an der Wand. seine Hand verdeckt teilweise seine Gesicht

Walter Bernhardt – Erinnerung an gestern.

Ein Wiedersehen mit einem, der längst weitergezogen war

Walter Bernhardt, 1942 in Wien geboren, ist keiner, der große Worte braucht – er schaut, denkt kurz nach, lächelt schelmisch und erzählt dann, als würde er noch immer durch die Gassen Wiens der 1970er spazieren.
Damals war die Kamera sein täglicher Begleiter. Er suchte das Unspektakuläre: Hinterhöfe, Friedhöfe, Mauergedichte – die Spuren derer, die keiner mehr wahrnimmt. Otto Breicha entdeckte ihn früh und lud ihn zur Reihe Kreative Fotografie in Österreich ein. Es folgten Ausstellungen, Veröffentlichungen und Preise – bis Bernhardt eines Tages die Kamera gegen Ton eintauschte.

Statt Dunkelkammer: Brennofen.
Aus dem Stadtfotografen wurde ein Keramiker.

So lernte ich ihn kennen – seit meiner Kindheit war er „mein Keramiker“. Erst vor wenigen Jahren schenkte er mir ein altes Foto: eine Abbruchszene aus der Kaisergasse. Ganz beiläufig erwähnte er, dass er früher fotografiert habe – und nun alte Negative sichtet.

Dass die Tummelplatz Galerie ihn später bat, diese Schätze zu zeigen, war fast ein Wunder. Drei­tausend Negative wurden zum Ausgangspunkt einer Reise in die eigene Vergangenheit.

Man sieht ein Wien, das verschwunden ist, aber nie verloren geht: das Gewirr des Naschmarkts, das Licht auf bröckelndem Putz, das Leben in den stillen Winkeln.

Ihn an diesem Tag zu fotografieren war, als würde man zwei Zeiten in einem Bild festhalten: den jungen Mann mit der Kamera und den älteren Künstler, der leise über sein früheres Ich lächelt.


Ausstellung: 3. Juli – 31. Juli 2025
Artist Talk: Freitag, 18. Juli 2025
Tummelplatz Galerie, Linz